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DLG Mentoring: Förderung der Eifeler Wirtschaft durch praxisnahe Begleitung

Das Mentoring-Programm „DLG Mentoring - Unternehmen & Talente: Zukunft der Eifel“ der Dienstleistungsgenossenschaft Eifel DLG eG wurde aus dem Förderprojekt "Match.EU – Startup meets Mittelstand" entwickelt und bietet gezielte Unterstützung für die regionale Wirtschaft.

Es richtet sich an verschiedene Zielgruppen wie Gründer, Jungunternehmer.innen und Unternehmensnachfolger:innen , indem es praxiserprobte Begleitung anbietet.

Im Interview mit Edmund Komar verdeutlichen Dr. Peter Kramp und Joshua von Ameln anhand ihrer eigenen Mentoring-Erfahrungen, wie das Programm aktiv zur Förderung der wirtschaftlichen Landschaft der Eifel beiträgt.

Umfangreiche Informationen zur Mentoring-Initiative sind auf www.dlg-eifel.de nachzulesen.

Bilder: Frank Wiesen

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Edmund Komar: Herzlich willkommen, Dr. Kramp und Joshua von Ameln, zu unserem Interview für die IHK-Wirtschaftsnachrichten. Wir freuen uns darauf, von euren Erfahrungen im Mentoring zu hören, insbesondere von Joshua, der von Dr. Kramp im Rahmen seines Start-ups „LomoGro“ unterstützt wurde. Bevor wir jedoch in das Kernthema eintauchen, wäre es hilfreich, wenn du, Joshua, unseren Lesern einen kurzen Überblick darüber geben könntest, wer du bist und welches Business mit welchen Zielen du verfolgst. Und wie es dazu kam, dass du im Jahr 2022 dein Unternehmen gegründet hast?

Joshua: Natürlich. Die Idee dazu entstand bereits während meiner Abiturphase, als ich mich intensiv mit Social Media beschäftigte. Ich stellte mir Fragen nach intrinsischer Motivation und hielt verschiedene Ideen fest, darunter die Vision eines Onlinesupermarkts, der nachhaltige Produkte anbietet und liefert.

Edmund Komar: Interessant. Und wie hat sich diese Idee weiterentwickelt?

Joshua: Aufgrund der Corona-Pandemie war ein Work-and-Travel-Aufenthalt nach meinem Abitur nicht realisierbar, weshalb ich mich entschied, bei der Post zu arbeiten. Dort entdeckte ich meine Begeisterung für Logistik. Im Jahr 2022 traf ich dann die Entscheidung, mich entweder auf den Aufbau eines Online-Supermarkts oder auf logistische Dienstleistungen zu konzentrieren. Aufgrund meiner positiven Erfahrungen wählte ich letzteres um meine Dienste für einen solchen Online-Supermarkt anzubieten.

Edmund Komar: Und wie lief es dann mit deinen ersten Kunden?

Joshua: Im Januar 2022 konnte ich meinen ersten Kunden gewinnen, eine Gemüsemanufaktur aus Derichsweiler, die ich über ein Treffen der Wirtschaftsförderung Düren (CO-Space) kennengelernt habe. Hierüber kam dann auch später der Kontakt über den Projektleiter des Mentoren-Projektes „Match-EU – Startup meets Mittelstand“ Andreas Schwab zu Dr. Peter Kramp zustande.

Von Beginn an sollte LomoGro ein stärkeres Augenmerk auf dieses Thema legen, insbesondere auf die Logistikdienstleistungen für Lebensmittelbetriebe. Der Fokus sollte zunächst verstärkt auf dem Online-Bereich liegen, um Hofläden, Landwirten und anderen regionalen Lebensmittelbetrieben beim Verkauf ihrer Produkte im Internet zu unterstützen. Hier wollten wir die Logistik abdecken.

Joshua: Durch das Mentoring von Peter und unsere gewonnene praktische Erfahrung hat sich unser Ansatz weiterentwickelt. Wir konzentrieren uns nun verstärkt auf lokale Logistiklösungen, anstatt überregionale Transporte anzubieten. Unser Ziel ist es, lokal zu agieren und dabei Elektrofahrzeuge einzusetzen. Unsere Zielgruppe umfasst Hofläden, Online-Biohändler sowie stationäre Geschäfte, beispielsweise Getränkemärkte, solange sie Produkte aus der Lebensmittelbranche anbieten.

Die Charakteristik von LomoGro liegt in unserer lokalen Ausrichtung und dem Einsatz umweltfreundlicher Transportmittel, die es uns ermöglichen, einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung zu leisten. Aktuell sind wir auch in Köln aktiv. Darüber hinaus hatten wir jetzt auch Veranstaltungen und Workshops in Aachen um auch dort Fuß zu fassen.

Wir sind also in Düren gestartet und ich habe mich dann letztes Jahr getraut in Köln die Klinken zu putzen. Daraus haben sich zwei Kunden ergeben, sodass nun auch eine Auslieferung in Köln erfolgt.

Edmund Komar: Joshua, du hast deine Leidenschaft in der Logistik gefunden und diese mit deinem Startup realisiert. Könntest du uns bitte kurz erklären, was genau hinter dem Namen 'LomoGro' steckt?

Joshua: Natürlich, gerne! 'LomoGro' steht für 'Local mobility groceries'. Wir haben uns dafür entschieden, diesen Namen zu verwenden, um unsere Fokussierung auf lokale Mobilität und den Lebensmittelhandel zu betonen. Quasi als sprechenden Namen. Unser Ziel ist es, die Logistik im Lebensmittelbereich lokal zu optimieren und unseren Kunden frische Produkte direkt vor ihrer Haustür zu liefern.

Edmund Komar: Arbeitest du allein im Start-up oder hast du schon Mitarbeiter?

Joshua von Ameln: Ich arbeite noch allein. Derzeit haben wir montags parallel zwei Auslieferungen. Bisher hatte ich hierfür immer einen zweiten Fahrer. Wir sind gerade im Gespräch, wie die Zusammenarbeit – beispielsweise in Form eines Minijobs - weitergehen soll. Im Moment konzentriere ich mich darauf, mein Fahrzeug und mich an den verschiedenen Wochentagen auszulasten. Falls weitere Aufträge hinzukommen, suche ich natürlich entsprechende Unterstützung.

Edmund Komar: Danke, Joshua, das klingt spannend. Es ist schön zu hören, dass ihr beide, du und Peter, für das Mentoring zusammengefunden habt. Peter, könntest du unseren Lesern kurz erzählen, wer du als Person bist und was du als Mentor machst?

Dr. Peter Kramp: Mein Hintergrund liegt im konstruktiven Maschinenbau. Ich habe lange bei Procter & Gamble gearbeitet. Bereits gegen Ende meines Studiums wurde mir klar, dass der Zeichentisch nicht mein Platz für das ganze Leben ist und ich mich in eine andere Richtung entwickeln möchte.

Procter & Gamble bot hervorragende Möglichkeiten für Ingenieure durch Jobrotation innerhalb des Werkes. Dort war ich etwa neun Jahre beschäftigt und konnte mich in verschiedenen Positionen entwickeln. Im Laufe der Zeit erkannte ich, dass meine Interessen und Fähigkeiten in den Bereichen Operatives und Personal liegen. Ich kann gut mit Menschen umgehen und habe ein gutes Verständnis für operative Abläufe.

Mit dieser Kompetenz habe ich dann lange und sehr erfolgreich ein großes Unternehmen in Zülpich und später auch weitere Unternehmen innerhalb Europas mit weitreichender Verantwortung geführt.

Im Anschluss habe ich noch drei Jahre lang in Düren für ein investorengeführtes Unternehmen gearbeitet, was sich als eine Herausforderung darstellte.

Schließlich wurde ich Privatier und habe die Freude, mir jetzt interessante und erfüllende Aufgaben aussuchen, wie zum Beispiel das Mentoring mit Joshua.

Übrigens: Was Joshua vergessen hat zu erwähnen. Er studiert auch noch parallel, und dass sein Business noch nicht grösser ist, hat auch mit dem Studium zu tun.

Das ist zunächst Prio Nummer 1, das Eingangs-Ticket zu vielen anderen Möglichkeiten. Das ist schon ein Alleinstellungsmerkmal, Studium plus dem Wunsch nach Selbstständigkeit.

Edmund Komar: Vielen Dank für den Hinweis, das ist wichtig für die Erfolgsgeschichte in Summe. Was war das Erste, worüber ihr beiden gesprochen habt? Was habt ihr euch damals vorgenommen für das Mentoring?

Dr. Peter Kramp: Also ich habe Joshua erlebt und wahrgenommen als sprühend den Kopf und voller Ideen mit Website, Instagram, Social Media. Damit hat er mich zunächst einmal etwas überfahren.

An der Stelle brauchte es erstmal eine Klärung. Im Verlauf des Mentoring kam es dann auch zu ein paar aha Momenten, bei denen ich in Joshuas Augen erkannte, dass er das ein oder andere noch gar nicht bedacht hatte. Durch meine Fragen, glaube ich, konnte ich helfen, dass Joshua sich in den Punkten klarer wurde.

Edmund Komar: Welche Erkenntnisse waren das beispielsweise?

Joshua: Am Anfang hatte ich den Kopf voller Ideen, möglichen Richtungen, die ich mit LomoGro einschlagen möchte. Peter hat mir dabei geholfen, mit den Fragen, die er gestellt hat, diese Ideen zu kanalisieren, so dass ich mich selbst an einigen Stellen hinterfragt habe, macht diese Überlegung an dieser Stelle überhaupt Sinn? Auch beispielsweise das Erkennen, wie ich meine Zeit besser einteilen kann. Sprich, Peter hat mich durch seine Fragen in eine Richtung gelenkt, die für die Realisierung meiner Geschäftsidee viel besser war. Anstatt in viele verschiedene Zweige hineinzugehen, mich auf einen Weg zu fokussieren. Das war zu Beginn, aber auch jetzt noch, von Vorteil. Darüber hinaus hat Peter mich auch auf einem persönlichen Level sehr geformt, mich mehr geerdet, so dass ich jetzt ganz gezielt die Gedanken und Schritte nacheinander strukturiert verfolge und umsetze.

Edmund Komar: Das klingt nach Struktur und Priorisierung.

Joshua: Ich möchte behaupten, dass ich grundsätzlich ein strukturierter Mensch bin, Peter hat mir tatsächlich darüber hinaus auch Klarheit gegeben, Klarheit eben über den Weg, den ich einschlagen sollte. Auch wie wichtig der Studienabschluss im Hinblick auf mein Business ist.

Edmund Komar: Peter, wie gestalten sich Ihre Gespräche und wie intensiv sind Ihre Diskussionen?

Dr. Peter Kramp: Wir führen äußerst offene Gespräche miteinander.

Ich schätze Joshuas Ehrlichkeit und seine Fähigkeit, Dinge auf den Punkt zu bringen. Er stellt direkte Fragen, die oft zum Kern der Sache vordringen. Trotz unseres Altersunterschieds schätze ich besonders die Offenheit und Ehrlichkeit, die unsere Zusammenarbeit prägt.

Edmund Komar: Wie intensiv ist euer Austausch und wie häufig finden eure Gespräche statt?

Dr. Peter Kramp: Unser Austausch ist schon sehr intensiv und stetig, obwohl nicht täglich. Manchmal liegen auch Wochen zwischen unseren Gesprächen. Joshua nimmt Dinge von mir an – er profitiert von meinen guten und schlechten Erfahrungen. Ich habe da auch überhaupt keine Berührungsängste, über den Quatsch zu erzählen, den ich mitunter in jungen Jahren gemacht habe.

Edmund Komar:  Joshua, was hat Ihnen besonders geholfen im Mentoring mit Peter?

Joshua: Das ist es auch, was mir unter anderem am meisten geholfen hat. Peter hat eine sehr schöne Bildsprache. Er nutzte zum Beispiel die Metapher eines Piratenschiffs. Bevor das Schiff die Breitseite abfeuert, muss es einen Moment der Besinnung geben, den "Arretierungs-Abschluss". In diesem Stadium befinde ich gerade. Wir überlegen gemeinsam, wie mein Geschäftsmodell aussehen sollte.

Erst wenn alles perfekt passt, gehen wir in die Offensive. Dieser Moment hat bei mir etwas ausgelöst - es war ein richtiger "aha"-Moment. Diese Art von Austausch schätze ich besonders an unserem Mentoring. Es kommt häufig vor, dass ich denke: Das war wieder eine großartige Art, die Dinge zu betrachten.

Dr. Peter Kramp: Wir beide können einander sehr gut zuhören. Joshua ist nicht missionarisch unterwegs, das gleiche behaupte ich auch von mir. Gut Zuhören ist meiner Meinung nach die Mentoring-Qualität, die insbesondere der Mentor mitbringen muss.

Meine persönlich größte Herausforderung als sehr operativer Mensch ist, dass ich nicht operativ werden darf.

Ich möchte auch nicht raten. In dem Wort "Ratschlag" steckt auch das Wort "Schlag" - ich traue Joshua zu, die Dinge eigenverantwortlich zu meistern. Und dann auch die Konsequenzen für die eigene Entscheidung zu übernehmen.

Joshua von Ameln: Es ist wichtig für mich, keine Ratschläge entgegenzunehmen, sondern auch selbstständig Lösungen zu finden und umzusetzen. Ich bin entschlossen, die Dinge eigenverantwortlich anzugehen und die Konsequenzen meiner Entscheidungen zu tragen.

Edmund Komar: Es ist inspirierend zu sehen, dass eure Zusammenarbeit offensichtlich auf wichtigen Prinzipien basiert und nicht auf eine Art Unternehmensberatung abzielt. Habt Ihr beobachtet, was sich im Laufe des Mentorings verändert hat.?

Dr. Peter Kramp: Ich habe Joshua dabei unterstützt, seine Gedanken strukturierter und transparenter zu formulieren, was ihm auch im Studium geholfen hat. Ich habe seine anfängliche Euphorie etwas eingedämmt und kanalisiert und ihn dazu ermutigt, schrittweise vorzugehen, anstatt alles auf einmal zu wollen.

Meine langjährige Erfahrung passt gut zu Joshuas Ziel, ein operatives Geschäft aufzubauen. Viele Fragen, die Joshua zu Beginn stellte, stellt er heute nicht mehr, da er mit meiner Erfahrung und seinem heutigen Wissen vieles bereits selbst beantworten kann.

Edmund Komar: Welche Rolle spielt das Mentoring bei der Entwicklung deiner unternehmerischen Fähigkeiten?

Joshua von Ameln: Ich möchte behaupten, dass ich jetzt viele Dinge anders angehe. Diese Veränderung habe ich sowohl durch Peters Begleitung als auch durch meine gesammelte Praxiserfahrung erreicht. Klarheit beschreibt diesen Wandel treffend.

Edmund Komar: Kann man deine Herangehensweise so beschreiben: Dass du dir Dinge gründlich anschaust, um zu beurteilen, ob sie zu deinem Geschäftsmodell passen und voraussichtlich erfolgreich sein können? Es scheint, als hättest du bereits ein Verständnis entwickelt, das normalerweise erst nach langjähriger Erfahrung erlangt wird. Hat dir das Mentoring geholfen, diese Erkenntnisse vergleichsweise schnell zu erlangen?

Joshua von Ameln: Ja, definitiv. Das Mentoring hat mir definitiv geholfen, diese Erkenntnisse in vergleichsweise kurzer Zeit zu erlangen und meine Herangehensweise zu verfeinern.

Edward Komar: Joshua, Wie hast du Peters Fähigkeit, die passenden Fragen zu stellen, zuzuhören und offen zu sein, während eures bisherigen Mentorings erlebt?

Joshua von Ameln: Das war genau richtig so. Die Art, wie Peter kommuniziert, ist sehr wertschätzend und respektvoll. Ich verstehe genau, was er sagen möchte und zum Ausdruck bringen will. Für mich war es wichtig, dass er seine Meinung und Offenheit in dieser Form zum Ausdruck gebracht hat. Ich habe die Zusammenarbeit stets auf Augenhöhe empfunden. Im Lauf der Zeit hat sich die Offenheit und Vertrautheit zwischen uns intensiviert. Mir ist auch wichtig über Fehler reden zu können.

Edward Komar: Joshua, aus unserem Gespräch schließe ich, dass sich im Verlauf eurer Zusammenarbeit die Offenheit und das Vertrauen so vertieft haben, dass du dich mittlerweile auch mit persönlichen Anliegen außerhalb des geschäftlichen Rahmens an Peter wendest. Gab es Momente, in denen du dachtest, dass es schwierig wird und du überfordert bist?

Joshua von Ameln: Ja, solche Momente gibt es oft, besonders mit meinen Studienverpflichtungen. Das sind Zeiten, in denen ich mich an Peter wende, um Rat zu suchen. Allerdings würde ich behaupten, dass sich dies im Laufe des Mentorings verbessert hat und ich nicht mehr so häufig auf Peter zugehen muss, um Fragen zu klären. Ich habe gelernt, mit Herausforderungen besser umzugehen, und Übung macht bekanntlich den Meister. Neben Peter sind auch meine Freundin und meine Eltern wichtige Ansprechpartner für mich.

Edward Komar: Deiner Erzählung nach hast du eine steile Lernkurve durchlaufen. Ich kenne auch viele andere Menschen, die sich nicht getraut haben, bei anderen nachzufragen und um deren Meinung zu bitten. Ich glaube, das ist ein gutes Rezept bei der Entwicklung einer Geschäftsidee. Sprich, nicht alles alleine auszutragen.

Joshua von Ameln: Das ist auch nochmal ein guter Hinweis. Wenn du viele fragst, bekommst du viele Meinungen. Das Wichtigste ist, die relevanten Sachen für dich selbst zu filtern.

Dr. Peter Kramp: Edmund hat vorhin nach dem Reifeprozess gefragt. Joshua ruft mich jetzt gefühlt alle 3 bis 4 Wochen an, und es ist für mich nicht schwer herauszufinden, was ihn beschäftigt und was er im Prinzip auch tun möchte. Im Endeffekt hat er schon in etwa entschieden. Anfangs war es eher diffus, und wir brauchten mehr Zeit, um etwas herauszuschälen. Heute besteht bei ihm vielleicht noch eine kleine Entscheidungsunsicherheit, was für Führungskräfte jeden Alters ganz normal ist.

Es ist wichtig, einfach mal jemanden zu haben, der zuhört. Es gibt auch Joshua Sicherheit zu erkennen, dass auch die Älteren unsichere Zeiten hatten und dazu stehen.

Ich möchte noch kurz erwähnen, dass zu Beginn unserer Zusammenarbeit ich fast ausschließlich Joshua besucht habe. Sein Zuhause diente als unsere Basis, um sicherzustellen, dass er sich wohl und sicher fühlt. Unsere Treffen fanden in seinem Wohnzimmer statt. Mir ist es im Mentoring besonders wichtig, einen sicheren und vertrauensvollen Raum zu schaffen.

Edmund Komar: Joshua, wie hat sich für dich die Tatsache angefühlt, dass Peter oft schon im Voraus wusste, was du denkst oder entscheiden würdest? Und welche Rolle spielte die Vertrautheit, die sich auch durch die privaten Treffen bei dir zu Hause gezeigt hat, für dein Selbstvertrauen?

Joshua von Ameln: Es war im Nachhinein sehr schön, dass Peter zu mir nach Hause gekommen ist. Das hat mir ein Stück Vertrautheit gegeben, besonders weil ich anfangs sehr nervös war. Selbst als ich zu Kunden gegangen bin, in das, wie ich es nenne, "Höhlen der Löwen", wusste ich, dass Peter hinter mir steht. Ein weiterer Vertrauensvorschuss ergab sich, als ich erfuhr, dass mein Vater Peter persönlich kennt, da er ebenfalls in der Papierindustrie tätig ist. Als ich meinem Vater erzählte, dass Peter Kramp nun mein Mentor ist, war er sehr erleichtert und positiv gestimmt. Die Papierindustrie ist nicht sehr groß, und offensichtlich kannte man sich.

Edmund Komar: Wenn du jetzt alles noch einmal Revue passieren lässt und an andere Menschen, insbesondere junge Unternehmer oder Startup-Gründer, denkst, was würdest du aus deiner Mentoring-Erfahrung empfehlen?

Joshua von Ameln: Ich würde auf jeden Fall empfehlen, auf Veranstaltungen zu gehen. Denn über diese Schiene bin ich letztendlich auch zu Peter gelangt. Netzwerkveranstaltungen sind etwas, was ich jedem empfehlen möchte, der sich dafür entscheidet in die Selbstständigkeit zu gehen. Kontakte suchen und auf die Menschen zugehen. Dort gibt es immer Menschen, die weiterhelfen können. Natürlich ist es auch wichtig, im Gespräch mit dem Mentor Offenheit zu bewahren. Er bringt viel Kompetenz mit und möchte helfen.

Dr. Peter Kramp: Generell ist Netzwerken zu empfehlen, insbesondere für Joshua das Netzwerk der Young Professionals in der DLG Eifel. Die Möglichkeiten hier sind großartig. Präsenzveranstaltungen sind meiner Meinung nach deutlich besser als digitale Treffen. Viele Leute schätzen es, sich persönlich zu treffen, und ich teile diese Ansicht. Es ist wichtig, immer wieder auch analoge Treffen einzuplanen, selbst wenn zwischendurch Onlineaktivitäten stattfinden. Das beherzigt Joshua sehr, und das finde ich gut.

Edmund Komar: Hast du oft Kontakt zu Menschen, die ähnliche Ambitionen haben wie du und ein eigenes Unternehmen gründen möchten?

Joshua von Ameln: Ich würde sagen, dass viele in meiner Generation mit diesem Gedanken spielen. Ich frage mich manchmal, ob Social Media vielleicht auch einen Einfluss darauf hat.

Viele in meinem Umfeld sind derzeit in einem Angestelltenverhältnis tätig, denken aber darüber nach, sich irgendwann selbstständig zu machen. Um sich mit den eigenen Ideen zu verwirklichen und beruflich selbstbestimmter zu sein. Deshalb habe ich meinem Kumpel geraten, seinen Bruder an die DLG zu verweisen, um Informationen zu diesem Thema einzuholen.

Edmund Komar: Ist es so, dass wir dabei sind, das Angebot bekannter zu machen. Es war bis Mitte letzten Jahres ein begrenztes Projekt, das nun in der DLG verstetigt wurde, mit einem größeren Zielgebiet für die gesamte Eifel und einer erweiterten Zielgruppe. Und wir fragen uns, wo treffen wir die Menschen, die an unserem Mentoring-Angebot interessiert sind?

Joshua von Ameln: Aus meiner Sicht sind diese Menschen vor allem auf Social Media zu finden, insbesondere auf Instagram, wo ich mich hauptsächlich bewege. Dort sind meiner Meinung nach auch die meisten Menschen in ihrem mittleren Zwanzigern aktiv.

Dr. Peter Kramp: Ich erlebe in der jüngeren Generation oft den Wunsch, sich in der digitalen Welt selbstständig zu machen und sich hier zu verwirklichen. Es wird viel darüber gesprochen, wie man beispielsweise eine Website erstellt und Social Media-Kanäle bedient.

Wenn es aber um eine konkrete operative Umsetzungen geht, wie zum Beispiel die Gründung einer Schlosserei in Hellenthal oder wie bei Joshua hinter dem Steuer zu sitzen, nimmt die Begeisterung in dieser Generation schnell ab.

Hierzu hatten Joshua und ich auch einige Diskussionen über mögliche Aufträge, bei denen ich schnell erkannte, dass es sich um Luftnummern handelte. Das ergibt sich aus meiner Erfahrung, und ich möchte nicht, dass er auf solche Anfragen hereinfällt.

Operativ Menschen zu führen, besonders am Anfang mit nur ein oder zwei Mitarbeitern, ist eine ganz andere Geschichte als die Entwicklung einer App mit dem Traum, sie wie Elon Musk zu vermarkten und sich vielleicht sogar im Raketenbau zu verwirklichen.

Joshua von Ameln: Was ich überhaupt nicht auf dem Schirm hatte, ist die Möglichkeit, bestehende Unternehmen zu übernehmen. Anfangs dachte ich, dass ich von Grund auf etwas Neues und Eigenes schaffen müsste. Erst durch Peter und das Netzwerk wurde mir klar, dass auch die Übernahme von Unternehmen eine Option ist. Das ist wahrscheinlich nicht einfacher, aber eine andere Herausforderung als von Grund auf anzufangen.

Edmund Komar: Peter, Du hast bereits viele Aspekte angesprochen. Zum Abschluss würde ich gerne noch eine Frage stellen: Welche Eigenschaften sind deiner Meinung nach besonders wichtig für Mentoren?

Dr. Peter Kramp: Ich hatte selbst die Erwartung, vom Mentoring zu profitieren. Es sollte ein Win-win sein. Aus meiner Sicht muss der Mentor in Vorleistung gehen in puncto Respekt, Vertrauen, Offenheit und Ehrlichkeit. Danach haben wir beide davon profitiert. Joshua hat mir beispielsweise Social Media, Homepages und Verkaufsplattformen erklärt und wie diese miteinander verbunden sind. Das war mein Gewinn. Es macht mir Freude zu sehen, wie sich etwas verändert und wie sich Joshua entwickelt. Aus meiner Sicht ist die Mentorenrolle eher dienend und unterstützend als bestimmend. Der Beziehungsaufbau ist ebenfalls von entscheidender Bedeutung. Jedes Mentoring ist einzigartig und anders. Wenn es sich um einen jungen Menschen in seiner persönlichen Entwicklung handelt, ist es wie ein rohes Ei. Der Beziehungsaufbau ist entscheidend, um Vertrauen und Offenheit zu fördern.

Edmund Komar: Das ist interessant, Peter, nach dem Motto "Übernimm kein Mentoring, wenn dir das Thema keinen Spaß macht oder wenn du darin keinen Nutzen für dich siehst.“ Wie du bereits zuvor erwähnt hast, ist es wichtig, dass ihr gegenseitige Chemie empfindet und einander Respekt entgegenbringt und auf Augenhöhe kommuniziert.

Dr. Peter Kramp: Ich denke, unser Mentoring ist immer noch angemessen, da es hauptsächlich um operative Fragen geht. Sollte sich der Themenschwerpunkt verschieben, zum Beispiel in Richtung Marketing, sollte jemand mit den entsprechenden Kompetenzen das weitere Mentoring übernehmen.

Ich bin für eine gewisse Zeit wie ein Sprungbrett für Joshua, er ist der Springer.

Ich nehme mir heraus zu behaupten, dass in mir Sprungbrett noch viel Spannung steckt. Ich könnte ihn schon richtig hochschleudern, wenn er richtig Anlauf nimmt und das Sprungbrett nutzt.

Aber vielleicht braucht es irgendwann ein Marketing-Sprungbrett oder es kommen Personalfragen auf. Mentoren sind meiner Meinung nach nur Sprungbretter auf Zeit. Die Perfomance muss der Mentee selbst erbringen. Er ist dafür verantwortlich, zu springen - idealerweise den doppelten Salto mit 4-fachen Schraube.

Wenn das Sprungbrett nur wenig Spannung hat hilft es dem talentiertesten Springer – dem Mentee – nicht.

Joshua von Ameln: Ich kann mir den doppelten Salto mit vierfacher Schraube gerade lebhaft vorstellen - ich bin im Bild.

Edmund Komar: Vielen Dank, Dr. Kramp und Joshua von Ameln, für dieses aufschlussreiche Interview. Eure Einblicke in das Mentoring und die Entwicklung von LomoGro sind äußerst inspirierend. Eure Erkenntnisse über die Bedeutung des Beziehungsaufbaus und die Rolle des Mentors als Sprungbrett für den Mentee sind wertvoll und werden sicherlich viele dazu ermutigen, sich dem Mentoring anzuschließen, um ihren eigenen Weg zu gehen.