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Schleiden

Lage

Die Nationalparkhauptstadt Schleiden mit ihren Ortsteilen Berescheid, Broich, Bronsfeld, Dreiborn, Ettelscheid, Gemünd, Harperscheid, Herhahn, Kerperscheid, Morsbach, Nierfeld, Oberhausen, Olef, Scheuren, Schöneseiffen, Wintzen und Wolfgarten liegt in der Nordeifel, am Westrand des Kreises Euskirchen. Das ländliche Stadtgebiet mit einer Fläche von ca. 122 km² wird v. a. durch das Olef- und Urfttal mit Urftstausee, die Dreiborner Hochfläche und den Kermeter des Nationalparks Eifel geprägt.

Im Stadtgebiet kreuzt sich die B 265 mit der B 266 und der B 258 und ist auf diese Weise nach Norden Richtung Zülpich und Düren, nach Süden Richtung Prüm, nach Westen Richtung Monschau und Aachen und nach Osten Richtung Euskirchen und die A 1 verkehrstechnisch gut angebunden. Über den Nachbarort Kall besteht Anschluss an die „Eifelstrecke“ Köln-Trier. Der nächstgelegene Flughafen befindet sich in Köln/Bonn ca. eine Autostunde entfernt.

 

Geschichte

Seit dem dritten vorchristlichen Jahrhundert sind erste Spuren der temporären Besiedlung der Region belegt. In römischer Zeit wurde die Gegend durch die Römerstraße von Köln nach Reims erschlossen. Diese quert, von Hergarten kommend, die Urft bei Gemünd und verläuft weiter über Dreiborn in südwestliche Richtung nach Rocherath (Ostbelgien).

Erstmals urkundlich erwähnt wird Schleiden 1189. Bis 1487 existiert die Herrschaft Schleiden. Daran anschließend wird die Stadt unter den Grafen von Manderscheid, von der Marck, von Königseck-Rothenfels und von Arenberg zur Grafschaft, welche zusammen mit Luxemburg zu den österreichischen Niederlanden gehört. Im Jahr 1795 erfolgt im Zuge der napoleonischen Eroberungen die französische Annektion. Sämtliche österreichischen Besitzungen werden in neun Départements (Verwaltungsbezirke) eingeteilt. Schleiden wird zur Mairie (Bürgermeisterei) und gehört dem Département Ourthe mit Verwaltungssitz in Lüttich an. Mit dem Wiener Kongress 1815 wird die Eifel Preußen zugesprochen. Die französische Gleichstellung von Städten und Gemeinden durch die Schaffung von Mairien wird von Preußen zunächst beibehalten. Unter preußischer Herrschaft werden Kreise als untere Verwaltungseinheit geformt. 1818 wird der Kreis Gemünd bestehend aus den Kantonen Gemünd, Schleiden und Blankenheim geschaffen. Dieser formiert elf Jahre später zum Kreis Schleiden. Grund hierfür ist wohl das Angebot des Herzogs von Arenberg, das Schloss Schleiden als Sitz für den Landrat zur Verfügung zu stellen. Schleiden bekommt 1857 durch König Friedrich Wilhelm IV die Städteordnung verliehen und gilt fortan als kleinste preußische Kreisstadt. Nach dem Ersten Weltkrieg befindet sich Schleiden zunächst unter britischer und ab 1919 unter französischer Besatzung. 1922 geht Schleiden bis zum Ende der 1920er Jahre in die belgische Besatzungszone über. In den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs befindet sich Schleiden in der Hauptkampflinie, nicht zuletzt aufgrund der unmittelbaren Nähe der NS-Ordensburg Vogelsang, einer bollartigen Ausbildungsstätte für spätere NSDAP-Führungskräfte. Durch Luftangriffe werden die Städte Schleiden und Gemünd fast vollständig zerstört. Schleiden wird aufgrund der bei der Konferenz von Jalta 1945 beschlossenen Einteilung der britischen Besatzungszone zugewiesen. 1946 wird durch die britische Militärregierung das Areal rund um die ehemalige Ordensburg Vogelsang beschlagnahmt. Dazu zählt auch das Dorf Wollseifen, welches vollständig geräumt werden muss und für Häuserkampfübungen verwendet wird. Heute bleiben von Wollseifen wiedererrichtete Architekturen, wie eine Wegkapelle, die Kirche sowie das Schulgebäude mit einer Dauerausstellung zur Geschichte des ehemaligen Dorfes und seiner Bewohner. Im Zuge der Kommunalen Neugliederung wird der Kreis Schleiden 1972 aufgelöst. Die Stadt Schleiden bekommt die bereits erwähnten Gemeinden und die Stadt Gemünd zugesprochen und gehört fortan dem Kreis Euskirchen an. Im Jahr 2006 wird das militärische Sperrgebiet rund um die Burg Vogelsang der Bundesrepublik Deutschland zurückgegeben und ist seitdem der Öffentlichkeit als „Vogelsang Internationaler Platz“ zugänglich.

 

Charakterisierung

Schleiden mit seinen achtzehn Ortschaften bietet Besonderheiten zu jeder Jahreszeit. So lädt im Frühjahr ein gelbes Meer aus Ginsterblüten zu einer Wanderung über die Dreiborner Hochfläche ein. Im Sommer locken die Freibäder von Schleiden und Gemünd sowie Kneipp-Becken im Kurpark von Gemünd. Für die Kleinen gibt es zahlreiche Spielplätze. Der Herbst bringt den Indian-Summer in die Eifel mit träumerischen Farbspielen in Rot, Ocker, Gelb, Braun und Grün. Wenn sich Wald und Wiese in ein winterlich weißes Kleid hüllen, strömen Besucher aus Nah und Fern in die Eifel, um Schlitten zu fahren oder Schneemänner zu bauen.

Schleiden bietet mit der landschaftlichen Vielfalt ein breites Spektrum an kulturellen und historischen Angeboten. Die Kernstadt ist mit einer Grundschule, zwei Gymnasien, zwei Realschulen, einer Förderschule sowie einer Außenstelle der Rheinischen Fachhochschule Köln zurecht eine Schulstadt, welche in Schulzeiten mehr Schülerinnen und Schüler als Einwohner zählt. Für Bildung sorgen überdies kulturelle Einrichtungen wie Stadtarchiv, Stadtbibliothek, das KunstForum Eifel und die Galerie Eifel Kunst. Zum Schmökern und Tauschen laden aus ausgedienten Telefonzellen umfunktionierte Bücherschränke in Gemünd, Harperscheid und Schleiden ein.

Die Vielfältigkeit von Schleiden spiegelt sich in den individuellen Traditionen der Ortschaften wider. So gibt es zahlreiche Veranstaltungen über das gesamte Jahr verteilt: das Downhill Schlauchbootrennen in Dreiborn, eine Fahrt mit der historischen Oleftalbahn Flitsch durch Gemünd, Olef und Schleiden, das Erntedankfest in Harperscheid und Schöneseiffen, Konzerte im Kurpark Gemünd, Rosenmontagszüge, Kirmes, Schützenfest. Hinzu kommen zahlreiche Märkte wie der Sleidanus-Bauernmarkt in Schleiden, der Handwerkermarkt in Olef, die Pflanzenbörse des NABU in Gemünd sowie Weihnachts- und Nikolausmärkte. Wer sich in einem Verein einbringen möchte, hat in Schleiden die Qual der Wahl, da zurzeit 112 aktive Vereine existieren. Neben verschiedenen Sportvereinen freuen sich Fischerei-, Junggesellen-, Karnevals- und Schützenvereine, Musikkapellen, Chöre, das Geschichtsforum Schleiden sowie die Freiwilligen Feuerwehren über Neumitglieder.

Schleiden ist der Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderwege durch die Eifel und bietet Zugang zur Urftstaumauer, dem Internationalen Platz Vogelsang sowie der Wüstung Wollseifen mit ihren geschichtsträchtigen Vergangenheiten. Egal ob geführte Ranger-Touren durch den Nationalpark Eifel oder ein längerer Trip auf dem Eifelsteig, welcher von Aachen nach Trier durch Gemünd und Olef führt. Wer es geruhter angehen möchte, ist in den Parkanlagen von Schleiden und Gemünd zum Flanieren und Verweilen eingeladen.

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